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Sprüche, Sprichwörter und Redewendungen

Ein Spruch ist sprachlich die Ober­kategorie alle prägnan­ten kurzen Äuße­run­gen, von tradi­tio­nellen Weis­heiten bis zu moder­nen Slogans. Eine Rede­wendung bildet keinen voll­ständi­gen Satz, sondern ist eine feste Wort­verbin­dung mit meta­phori­scher Bedeu­tung, die in andere Sätze ein­ge­baut wird. Ein Sprich­wort ist ein voll­ständi­ger, in sich ge­schlos­sener Satz mit lehr­hafter Weis­heit, der in fester Form im Volks­mund über­liefert wird. Ein ge­flügel­tes Wort stammt dagegen aus einer identi­fi­zier­baren litera­ri­schen oder histo­ri­schen Quelle und ist als Zitat nach­weis­bar.


Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.

Dieses Sprichwort stammt aus der Zeit, als Wild­vögel in Deutsch­land noch zur Ernäh­rung ge­hör­ten, unge­fähr bis zum 19. Jahr­hundert, oft­mals bei armen Leuten. Eine Taube macht zwar satter als ein kleiner Spatz, ist aber im Fall des Sprich­worts nicht erreich­bar (weil auf dem Dach). Deshalb muss man mit einem klei­nen Spatz zu­frie­den sein, der aber direkt greif­bar ist.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Der Reihe nach! Historisch: Wer als Erster zur Mühle kam, durfte auch als Ers­ter mahlen (lassen). Im Mittel­alter brach­ten die Bauern ihr Getrei­de zu einer Wasser- oder Wind­mühle. Der Müller arbei­tete der Reihe nach, nicht nach Rang des Kunden oder Bedürf­tig­keit.

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
Bedeutung: Schätze auch kleine Dinge, verhalte dich verant­wortungs­voll, achte Details, respek­tiere Auf­wand, beweise Selbst­disziplin, handele voraus­schauend.
Den Pfennig gab es seit dem 8. Jahr­hundert (vergleich­bar englisch Penny, lateinisch Denar) und war die kleins­te Silber­münze, z.B. zum Kauf von Brot oder Bier. Im Spät­mittel­alter wurde das Silber immer mehr durch Kupfer er­setzt, bis der Pfennig nach 1500 zur Kupfer­münze wurde. Den Pfennig gab es bis 2001 als Unter­einheit der Deut­schen Mark.
Der Taler entstand um 1500 als große Silber­münze und hatte den Wert eines Wochen­lohns eines Hand­werkers. Je nach Region ent­sprach das 200 bis 300 Pfenni­gen.

die Büchse der Pandora öffnen
Bedeutung: etwas machen, dass eine Kette von unkontrol­lier­baren nega­ti­ven Folgen nach sich zieht.
Herkunft: Pandora ist in der grie­chi­schen Mytho­logie die erste Frau der Mensch­heit. Die Büchse ist eine falsche Über­set­zung aus dem 16. Jahr­hundert zu­nächst ins Latei­nische - ursprüng­lich war ein großes Vorrats­gefäß aus Ton ge­meint. Z.B. im Engli­schen "Pandora’s box" = Pandoras Schachtel, ist ebenso falsch.
Die Redewendung basiert auf einer Intrige unter griechi­schen Göttern. Der Götter­vater Zeus lag im Streit mit dem Titanen Prome­theus, der den Göt­tern das Feuer ge­stoh­len hatte und zu den Menschen ge­bracht hatte. Das Feuer war ein Symbol für Fort­schritt, Tech­nik und Kultur. Aus Rache schenk­te Zeus der Pandora ein Ton­gefäß, gefüllt mit Krank­heit, Leid, Alter, Tod, Neid, Schmerz und Kummer. Zeus verbot Pandora die "Büchse zu öffnen" (das Ton­gefäß), ob­wohl er wuss­te, dass Pandora zuvor von sei­nem Sohn Hermes mit Neugier be­schenkt wor­den war. Als Pandora das Gefäß öff­nete, wie vorher­gesehen, ent­wich alles Übel und kam zu den Men­schen. Damit wollte Zeus zei­gen, dass nie­mand die gött­li­che Ord­nung unge­straft über­schrei­tet und dass Fort­schritt einen Preis hat. Die Moral von der Ge­schich­te ist, dass Fort­schritt ohne Maß nicht nur Segen, sondern un­aus­weich­lich auch Leid hervor­bringt - und dass die­se Span­nung zum Mensch­sein ge­hört.


Weitere Sprichwörter ...

Text: Jörg Rosenthal, 2026.
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