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Lange Entwicklung: der E-Auto-Akku

Wenn über Elektroautos und Antriebs­batterien diskutiert wird, hoffen wir immer auf einen histori­schen Wende­punkt: endlich bessere Batterien, end­lich schnelle­res Laden, end­lich die Zukunft ohne Reichweiten­angst. Genau dieses Gefühl hat­ten die Menschen schon vor 125 Jah­ren. Die Ge­schich­te der Auto-Akkus ist eine Ge­schich­te voller Hoffnungen, geplatz­ter Ver­sprechen und am Ende doch erstaun­li­cher Fort­schritte - nur eben über einen viel länge­ren Zeit­raum, als man denkt.

Einmal-Strom

Bevor es überhaupt eine Batterie gab, die man wieder auf­laden konnte, gab es lange Zeit nur Wegwerf-Zellen. Alessandro Volta zeigte 1800 mit seiner berühm­ten Säule aus ge­stapel­ten Zink- und Kupfer­scheiben erst­mals, dass man kontinuier­lich elektri­schen Strom er­zeugen kann. John Frederic Daniell ver­besserte das Prinzip 1836 mit einer stabile­ren Konstruk­tion, und Georges Leclanché brachte 1866 eine Zelle hervor, die später zur Vorlage für die heutige Zink-Kohle-Batterie wurde. Diese frühen Zellen waren tech­nische Meilen­steine - aber für ein Fahr­zeug komplett un­geeignet. Sobald alle Chemika­lien reagiert hatten, musste man die Zelle weg­werfen oder die Elek­troden aus­tauschen.

Der wirkliche Türöffner kam erst 1859, als der Franzose Gaston Planté die Blei-Säure-Batterie erfand - die erste prak­tisch nutzbare wieder­auflad­bare­ Batterie der Geschichte. Camille Faure perfektio­nierte sie 1881, indem er die Blei­platten mit einer Blei­oxid-Paste be­schichte­te, was die Kapazi­tät deut­lich steigerte. Erst von diesem Moment an machte es über­haupt Sinn, über ein Elektro­fahrzeug nach­zudenken.

Die kurze, goldene Ära der E-Autos

Kaum war die Blei-Säure-Batterie praxis­tauglich, ging es los: Schon Anfang der 1830er-Jahre experimen­tierte der Schotte Robert Anderson mit elektrifi­zier­ten Fahr­zeugen, parallel dazu tüftel­ten Thomas Davenport in den USA und Sibrandus Stratingh in den Niederlanden. Richtig Fahrt nahm die Sache aber erst um 1900 auf, vor allem in den USA. Dort sah die Markt­vertei­lung der frühen Auto­mobile fast schon paritä­tisch aus: Dampf hatte 1900 rund 40% Markt­anteil, batterie­elektrische Fahr­zeuge kamen auf 38%, und der Benziner war mit gerade einmal 22% klar ab­geschlagen. Selbst die New York Times schwärmte 1902 noch von E-Autos als geräuschlos, geruchlos und stets betriebs­bereit.

Der Grund für diese kurze goldene Ära lag aber nicht primär in der Technik, sondern in der Infra­struk­tur. Amerikani­sche Groß­städte wie New York waren dank Pionieren wie Thomas Edison und Nikola Tesla schon relativ weit elektrifi­ziert, während Benzin dort noch keine flächen­decken­den Ver­triebs­wege hatte. In Europa war es genau umgekehrt: Strom gab es kaum, Benzin dagegen schon, weil es als Neben­produkt der boomenden Petroleum-Industrie für Lampenöl längst über Apotheken und Krämer­läden gehandelt wurde. Bertha Benz konnte 1888 bei ihrer berühm­ten Fern­fahrt des­halb in der Apotheke Wiesloch nach­tanken - das Vertriebs­netz für Benzin existierte bereits, bevor das erste Auto überhaupt fuhr.

Technisch betrachtet war die Sache trotz­dem kein Selbst­läufer. Die Blei-Säure-Batterien jener Zeit waren schwer und langsam zu laden. Beim Lohner Semper Vivus, an dem ein junger Ingenieur namens Ferdinand Porsche mit­arbeitete, wog der Akku 410 kg und konnte mehrere Tage zum voll­ständi­gen Laden brauchen - für gerade einmal 50 km Reich­weite. Bei einer noch größe­ren Sonder­anferti­gung von Lohner wuchs die Batterie sogar auf 1.800 Kilo­gramm an. Kein Wunder, dass Batterie­wechsel­systeme populär waren: Statt zu warten, bis der eigene Akku wieder voll war, hob man ihn einfach heraus und er­setzte ihn durch einen ge­ladenen. Genau dieses Prinzip wollte die "Electric Vehicle Company" 1899 sogar zum Geschäfts­modell machen, mit ge­planten 12.000 Fahr­zeugen in mehre­ren amerikani­schen Groß­städten. Tatsäch­lich gebaut wurden rund 2.000 - 1907 ging die Firma bankrott.

Wie der Benziner an den E-Autos vorbeizog

Die meistgehörte Erklä­rung dafür, warum der Ver­brenner so schnell gewann, lautet meistens: "Als der elektri­sche Anlasser kam, wurde der Benziner end­lich komfortabel genug." Diese Geschichte ist aller­dings chronolo­gisch falsch. Schon 1902 be­richtete die US-Fach­zeitschrift Motor World, der Benziner sei in den Verkaufs­zahlen bereits unzweifel­haft vorne - der elektri­sche Anlasser kam aber erst 1912 in Serie, bei Cadillac. Der eigent­liche Anlasser-Mythos erklärt also gar nicht, was wirk­lich passierte.

Der wahre Grund war wieder die Infrastruk­tur, nur diesmal anders­herum. Während Strom auf die Städte be­schränkt blieb, baute sich das Tank­stellen­netz für Benzin in atem­berauben­dem Tempo aus, sodass man mit dem Benziner zwi­schen Städten touren konnte - etwas, was mit der schweren, langsam ladenden Elektro-Technik schlicht nicht ging. Hinzu kam die Indus­trialisie­rung der Fertigung: Henry Fords Model T startete 1908 zu 850 Dollar, schon 1912 senkte Ford den Preis durch Skalen­effekte auf unter 600 Dollar. Das E-Auto hatte gegen diese Kombina­tion aus wachsen­der Reise­frei­heit und sinken­den Preisen keine Chance mehr - nicht, weil es schlech­ter ge­worden wäre, sondern weil der Benziner viel schneller besser und billiger wurde.

Edisons teures Versprechen

Wo die etablierten Player auf das drohende Ende ihres Geschäfts re­agierten, kam - wie so oft in der Technik­geschich­te - ein großes Ver­sprechen auf den Tisch. Thomas Edison kündigte 1900 an, kurz vor dem Durch­bruch einer neuen Batterie­technik zu stehen: der Nickel-Eisen-Batterie. Sie sollte mehr Reich­weite, eine kürzere Lade­zeit und eine viel längere Lebens­dauer bieten als die etablier­ten Blei­batterien. Tatsäch­lich ist die Nickel-Eisen-Zelle bis heute legendär robust - manche Exemplare halten über 20 Jahre und über­stehen Tief­entladung, Überladung und mechani­sche Stöße, an denen eine Blei­batterie längst kaputt­gegangen wäre.

Das Problem: Die Zelle kam viel später als ver­sprochen, und sie war richtig teuer. Statt 1901, wie ursprüng­lich ange­kündigt, ging sie erst 1909 in Serie - nach einem ersten Fehl­start 1904. Und wer sich 1911 für die Nickel-Eisen-Version des "Detroit Electric" ent­schied, musste 600 US-Dollar mehr be­zahlen als für das bau­gleiche Modell mit Blei­batterie. Bei Fahrzeug­preisen zwi­schen 850 und 2.500 Dollar war das ein gewalti­ger Auf­schlag, irgendwo zwi­schen einem Viertel und der Hälfte des gesam­ten Auto­preises. Hinzu kamen tech­nische Nach­teile, die im Werbe­prospekt nicht so gut klangen: Die Zell­spannung war niedriger als bei Blei-Säure, der Wirkungs­grad beim Laden schlechter, die Selbst­entladung höher, und bei Kälte verlor die Batterie deut­lich an Leistung. Selbst wenn Edisons Zelle pünkt­lich 1901 ge­kommen wäre, hätte sie laut Einschät­zun­gen aus der Technik­geschichte am Ergeb­nis nichts ge­ändert - der Benziner hatte schon ein Jahr später einen uneinhol­baren Vor­sprung.

Fast zur gleichen Zeit entwickelte der schwedische Ingenieur Waldemar Jungner ein sehr ähn­li­ches Konzept, ersetzte aber Eisen durch Cadmium. Diese Nickel-Cadmium-Zelle war bei Kälte robuster und ent­lud sich lang­samer selbst - setzte sich damals aber eben­falls nicht durch, weil Cadmium teuer und giftig war und Jungner zudem in Patent­streitig­kei­ten mit Edison ver­strickt war. Erst Jahr­zehnte später, ab den 1950er- und 1960er-Jahren, wurde NiCd für Werk­zeuge und Elek­tronik massen­taug­lich - fürs frühe Automobil kam sie viel zu spät.

Eine lange Pause - und seltsame Zwischenstationen

Nachdem der Benziner das Rennen gewonnen hatte, verschwand die Batterie­entwick­lung fürs Auto fast komplett von der Tages­ordnung. Was die Technik trotz­dem weiter­brachte, war ausge­rechnet nicht die Automobil-Industrie, sondern die Unter­haltungs­elektronik: Taschen­lampen, Radios, später Laptops und Cam­corder brauch­ten kleinere, energie­dichtere Akkus - aber nicht unbedingt welche, die jahre­lang halten muss­ten. Die hohen An­forde­run­gen einer Fahrzeug­batterie waren für diesen Markt schlicht kein Treiber.

Erst in den 1990er-Jahren kam die Idee wieder ver­stärkt zurück, mit teils sehr exo­ti­schen Lösungen. BMW zeigte 1991 auf der IAA den Klein­wagen E1 mit einer Natrium-Schwefel-Batterie, die mit Betriebs­temperatu­ren von bis zu 350 Grad Celsius arbeitete - man hätte fast genauso gut eine Dampf­maschine vor­heizen können. Praktikabler war die Nickel-Metall­hydrid-Technik (NiMH), die zum Bei­spiel im ersten Toyota Prius und in der zweiten Genera­tion des GM EV1 zum Einsatz kam. Der EV1 zeigte mit seiner exzellen­ten Aero­dynamik, dass eine elektri­sche Fortbewe­gung tech­nisch durchaus funktio­nierte - am Ende scheiterte das Projekt aber an einem viel banale­ren Problem: Es war einfach zu teuer für das, was es bot, weshalb GM es nur ver­leasen, nicht verkaufen wollte. Die berühmte Verschwörungs­theorie, große Konzerne hätten das Auto ab­sicht­lich sabotiert, blendet diesen simplen wirt­schaft­li­chen Punkt gern aus.

Durchbruch im Laptop

Die Technologie, die schließlich alles ver­änderte, wurde nicht für Autos ent­wickelt. Die Grundlagen­forschung dazu leistete M. Stanley Whittingham in den 1970er-Jahren bei Exxon, als er die Einlage­rung von Lithium-Ionen in Schicht­strukturen unter­suchte. John Goodenough fand 1980 heraus, dass sich Lithium-Kobaltoxid her­vorragend als Kathoden­material eignet. Den ent­scheiden­den Sicherheits­schritt machte 1985 der Japaner Akira Yoshino, der das reaktions­freudige Lithium-Metall durch eine Kohlenstoff-Anode ersetzte und damit eine Zelle schuf, die man tat­säch­lich gefahrlos in ein Konsum­produkt ein­bauen konnte. Für diese ge­meinsame Pionier­arbeit er­hiel­ten die Drei 2019 den Nobel­preis für Chemie.

Sony brachte die erste kommerzielle Lithium-Ionen-Zelle 1991 auf den Markt - zunächst für Cam­corder. Von dort eroberte sie rasend schnell Laptops und später Smart­phones. Erst 2008 wagte sich ein kaliforni­sches Start-up namens Tesla mit dem Roadster heran und tat dabei etwas, das im Rück­blick fast schon dreist wirkt: Statt eine neue Batterie­chemie zu ent­wickeln, nahm man einfach tausende handels­übliche Laptop-Zellen und ver­schaltete sie zu einem großen, flüssig gekühl­ten Pack. Die eigent­liche Innova­tion lag also nicht in der Chemie, sondern im Thermo­management und in der Skalie­rung - Tesla hat die Lithium-Ionen-Zelle quasi zweck­entfremdet.

Höhere Energiedichte hat allerdings ihren Preis: Lithium-Ionen-Zellen nutzen einen brenn­baren, organi­schen Elektro­lyten, ähn­lich wie Benzin. Wird eine Zelle über­hitzt, beschädigt oder kurz­geschlossen, kann eine selbst­verstärken­de Ketten­reaktion namens Thermal Runaway ent­stehen, bei der sich zer­setzen­des Material zusätz­lich Sauerstoff frei­setzt und die eigene Ver­brennung an­heizt. Genau deshalb investie­ren Her­steller heute so viel in Batterie­management­systeme, Küh­lung und Zellsepara­tion - die Eigen­schaft, die den Akku praxis­taug­lich machte, ist zugleich die­jenige, die ein durch­dachtes Sicherheits­konzept zwingend er­forder­lich macht.

Der Preissturz, der alles veränderte

Wie radikal sich die Wirt­schaftlich­keit seither verändert hat, zeigt eine einzige Zahlen­reihe beson­ders ein­drücklich: Als die ersten Lithium-Ionen-Zellen 1991 auf den Markt kamen, kostete eine Kilowattstunde zwi­schen 3.000 und 8.000 US-Dollar. Heute, gut drei Jahrzehnte später, liegen die Zell­preise bei rund 60 bis 100 Dollar pro Kilo­watt­stunde, je nach Chemie - LFP-Zellen sind dabei meist die günstigste Variante, etwas teurer sind NMC-Zellen. Das ist ein Preis­verfall um den Faktor 50 bis über 100. Komplette Batterie­pakete liegen erfahrungs­gemäß etwa 20% bis 30% über dem reinen Zell­preis, weil noch Gehäuse, Elek­tronik und Sicherheits­technik dazukommen.

Diese Entwick­lung erinnert frappierend an Edisons ge­scheiter­tes Ver­sprechen von 1900: Auch damals war die neue Technik (Nickel-Eisen) gegen­über der etablierten (Blei-Säure) zunächst deut­lich teurer - mit dem Unter­schied, dass sich der Kosten­vorteil bei Lithium-Ionen durch Massen­produk­tion tatsäch­lich einge­stellt hat, weil ein riesiger, wachsender Markt (Laptops, Smart­phones, dann Autos) die nötigen Stück­zahlen lieferte. 1911 fehlte genau dieser Markt - der Benziner hatte längst ge­wonnen, bevor sich Skalen­effekte überhaupt ent­falten konn­ten.

Vom Batteriewechsel zur Kaffeepause

Ein Aspekt, der in der Debatte um Reichweite und Energie­dichte oft untergeht, ist das Laden selbst - und auch hier zieht sich ein direkter Faden von 1900 bis heute. Damals löste man das Problem mechanisch: Weil das Laden tage­lang dauerte, baute man Hub­vorrichtun­gen, die leere Batterien gegen volle aus­tauschten, etwa beim Lohner oder bei der "Electric Vehicle Company". Heute löst man das­selbe Grund­problem elektrisch und software­gesteuert.

Der wichtigste technische Hebel ist die so­genannte 800-Volt-Architek­tur. Die Physik dahinter ist simpel: Um mit einem klassischen 400-Volt-System eine Ladeleis­tung von 350 Kilowatt zu er­reichen, bräuchte man enorme Strom­stärken von über 800 Ampere - das er­fordert dicke Kabel und auf­wendige Kühlung, weil hohe Ströme viel Hitze erzeugen. Verdoppelt man statt­dessen die Spannung auf 800 Volt, genügt für die gleiche Leis­tung nur noch der halbe Strom, was die Batterie beim Laden kühler und die Technik insge­samt einfacher beherrsch­bar macht. In der Praxis bedeutet das bei moder­nen Modellen Ladeleis­tun­gen von 400 Kilowatt und mehr, was den Lade­stopp auf 12 bis 20 Minuten ver­kürzt - kaum länger als eine Kaffee­pause. Manche Her­steller gehen inzwi­schen noch weiter: Der chinesische Auto­bauer BYD hat eine 1.000-Volt-Plattform mit so­genann­tem 5C-Laden ange­kündigt, bei dem ein Akku theore­tisch in rund zwölf Minuten voll­ständig auf­geladen werden kann.

Was bei dieser Technik aber leicht übersehen wird: Die reine Spannungs­technik bringt wenig, wenn die Batterie­temperatur nicht stimmt. Des­halb steuern moder­ne Fahrzeuge per Vorkonditionie­rung die Batterie schon auf der Anfahrt zur Lade­säule aktiv auf ihre optimale Temperatur, sobald eine Schnell­lade­station als Navi­gations­ziel eingegeben wird. Ist der Akku zu kalt, drosselt das Batterie­management die Lade­leistung automa­tisch, selbst wenn die Säule theore­tisch viel mehr liefern könnte - ein 800-Volt-Auto ohne Vor­konditionie­rung bleibt also weit unter seinen Spitzen­werten. Die eigent­liche Innova­tion liegt also nicht allein in der Hardware, sondern im Zu­sammen­spiel von Spannungs­technik, Thermo­management und intelligen­ter Soft­ware, die im Hinter­grund längst die Routen­planung mit­übernimmt.

Die Gegenwart: zwei neue Pfade gleichzeitig

Im Jahr 2026 zeichnet sich der erste echte tech­nologi­sche Bruch seit Sonys Lithium-Ionen-Zelle von 1991 ab - und interes­santer­weise gleich auf zwei Wegen parallel.

Der erste Pfad ist die Natrium-Ionen-Batterie. Statt des seltenen und aufwendig zu ge­winnenden Lithiums kommt hier das prak­tisch unbegrenzt ver­fügbare Natrium zum Einsatz, gewonnen unter anderem aus Salz. Der chinesi­sche Autobauer Changan hat mit dem Nevo A06, ausge­stattet mit der "Naxtra"-Zelle des Batterie­riesen CATL, das welt­weit erste groß­serientaug­liche Elektro­auto mit Natrium-Ionen-Akku auf den Markt gebracht. Der größte Vor­teil zeigt sich bei Kälte: Während klassische Lithium-Zellen im Winter deut­lich an Leis­tung ver­lieren, soll die Natrium-Zelle bei minus 40°C noch rund 90% ihrer Kapazi­tät be­halten und selbst bei minus 50°C noch stabil funktio­nieren. Der Nach­teil ist die geringere Energie­dichte von etwa 175 Watt­stunden pro Kilogramm, deut­lich weniger als bei guten Lithium-Ionen-Zellen. Beim Preis zeigt sich aller­dings noch keine echte Revolu­tion: Solange die Groß­serien­produk­tion fehlt, liegen Natrium-Ionen-Zellen ungefähr auf dem Niveau von Lithium-Ionen - das erhoffte Kosten­argument soll sich erst mit wachsen­den Stück­zahlen durch­setzen, ganz ähn­lich wie einst bei Lithium-Ionen selbst.

Der zweite Pfad ist die Feststoff­batterie, technisch ambitionier­ter und auf hohe Energie­dichte statt auf niedrige Kosten ausge­richtet. Hier ersetzt eine dünne, nicht brenn­bare Keramik­schicht den klassi­schen flüssigen Elektro­lyten - das ver­hindert nicht nur Brand­risiken, sondern auch das Wachstum gefähr­li­cher Lithium-Dendriten, die bei herkömm­li­chen Zellen für Kurz­schlüsse sorgen können. Mercedes hat 2025 erste Straßen­tests mit einem modifi­zier­ten EQS gestartet, der mit Fest­stoff­zellen von Factorial Energy mehr als 1.200 km ohne Lade­stopp zurück­legte. BMW testet ent­sprechen­de Zellen von Solid Power in einem 7er, mit einer für 2026 angepeil­ten Serien­produk­tion und Energie­dichten von 390 bis 440 Watt­stunden pro Kilo­gramm. Auch Changan und Nissan arbeiten an eigenen Lösungen. Manche Her­steller sprechen von Energie­dichten bis zu 500 Watt­stunden pro Kilo­gramm - das wäre etwa drei­mal so viel wie bei heutigen Lithium-Ionen-Akkus.

Was bleibt: Energiedichte als Dauerproblem, Infrastruktur als Spielverderber

Wer die ganze Geschichte von 1832 bis 2026 über­blickt, erkennt ein be­merkens­wertes Muster. Die Energie­dichte - also das Verhält­nis von ge­speicher­ter Energie zu Gewicht - war tech­nisch von Anfang an der eigent­liche Flaschen­hals der Elektro­mobilität. Von Plantés schwerer Blei­zelle über Edisons ent­täuschende Nickel-Eisen-Batterie bis zur heutigen Jagd nach immer höheren Watt­stunden pro Kilo­gramm zieht sich diese eine Frage durch jede Episode.

Doch genau dieses technische Dauer­problem war historisch nicht immer auch der ent­scheiden­de Grund fürs Scheitern. Um 1900 hatten die schlechten amerikani­schen Außerorts­straßen zur Folge, dass eine Reich­weite von 20 bis 50 Kilometern für den städ­ti­schen Taxi­betrieb völlig aus­reichte - ein Energie­dichte­problem im heuti­gen Sinn gab es da gar nicht. Was damals ent­schied, war die Strom­verteilung: Wo es Elektri­zität gab, florierten E-Autos; wo nicht, dominierte der Benziner, weil dessen Treib­stoff über ein bereits existieren­des, aus völlig anderen Gründen ge­wachse­nes Vertriebs­netz lief. Erst als der Benziner mit besse­ren Straßen das große Touren zwi­schen Städten er­möglichte - also als die Ansprüche an Reich­weite überhaupt erst ent­standen -, wurde die niedrige Energie­dichte des E-Autos zu einem echten prak­ti­schen Nachteil.

Heute hat sich dieses Verhältnis umgekehrt: Kunden erwarten selbst­verständ­lich 400 bis 600 Kilometer Reich­weite, weil Verbrenner das längst liefern. Genau des­halb ist die Energie­dichte heute relevanter als 1900, obwohl sie tech­nisch schon damals die gleiche Hürde war. Was sich seit Edisons gescheiter­tem Ver­sprechen ver­ändert hat, ist vor allem eines: Es gibt inzwi­schen einen riesigen, wachsen­den Markt für Batterien jeder Art - von Smart­phones über Energie­speicher bis zu Millio­nen ver­kauf­ten Elektro­autos -, der die nötigen Skalen­effekte über­haupt erst er­möglicht. 1911 fehlte dieser Markt komplett, weshalb Edisons tech­nisch durchaus interes­sante Idee chancenlos blieb. 2026 dagegen konkurrie­ren gleich mehrere Tech­nologie­pfade parallel um die Markt­reife, mit echten Test­fahrzeugen, belast­baren Kilometer­zahlen und ersten Serien­modellen.

Ob daraus tatsächlich der nächste große Sprung wird oder nur eine weitere Episode in der langen Ge­schichte ent­täuschter Batterie­versprechen, lässt sich heute nicht seriös vorher­sagen. Die Ge­schich­te mahnt aber zu einem gesunden Maß an Geduld: Zwischen Sonys erster kommerziel­ler Lithium-Ionen-Zelle 1991 und Teslas erstem Elektro­auto damit lagen 17 Jahre - aber auch nur 17 Jahre.


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