In Deutschland ist die Herkunftsangabe bei den meisten unverarbeiteten Lebensmitteln verpflichtend. Keine Pflicht zur Angabe des Herkunftslandes gibt es für Milch und Milchprodukte (Butter, Joghurt, Käse) und bei verarbeiteten Lebensmitteln (Fertiggerichte, Wurstwaren, Backwaren, Süßwaren).
Wenn man Obst und Gemüse in Dosen und Gläsern kauft, ist der Inhalt importiert, fast immer. Ebenso die Zutaten von Tiefkühl-Produkten und verarbeiteten Lebensmitteln. Und sogar in der Frische-Abteilung (Obst und Gemüse) stammen die meisten Früchte aus dem Ausland.
In Deutschland wird Obst und Gemüse überwiegend importiert, weil die Ware und der Transport zusammen billiger sind, als eine Produktion im Inland. Deutschland ist der größte EU-Zielmarkt für Obst. Inzwischen werden nur noch ca. 20% Obst hierzulande angebaut - ein sehr niedriger Selbstversorgungsgrad. Bei Gemüse ist es ähnlich mit 36% inländischem Anbau.
Man kann also umgekehrt schlussfolgern, dass ca. 80% des Obsts importiert und 64% des Gemüses aus dem Ausland importiert werden. Eventuell sind diese Werte noch um deutsche Exporte zu bereinigen, aber es wird klar, dass wir uns in diesem Bereich bei weitem nicht selbst versorgen können.
Es ist paradox: Obst und Gemüse aus Spanien sind besonders billig, obwohl es dort massive Probleme mit der Wasserversorgung gibt. Zudem ist Spanien kein direktes Nachbarland von Deutschland und somit ist die Strecke und Dauer der Kühltransporte entsprechend länger.
Das alles wird jedoch preislich aufgewogen durch die Niedriglöhne, die in Spanien teils illegal an Arbeitsmigranten gezahlt werden. Man muss es leider so sagen: Jedesmal, wenn man im Supermarkt nach Obst oder Gemüse aus Spanien greift, fördert man dieses ungute System. Zudem verringert das Abpumpen von Grundwasser die natürliche Vegetation und die Artenvielfalt.
Deutschlands Selbstversorgungsgrad von Obst liegt bei nur ca. 20% und von Gemüse bei 36%.
Wie würde ich das meinen verstorbenen Großeltern erklären, die das meiste Obst und Gemüse regional vom Wochenmarkt
kauften bzw. im Garten selber Obstbäume und Gemüsebeete hatten.
Und noch eine Generation vorher war es nicht unüblich, Hühner zu halten. Meine Urgroßeltern würden sich wundern, dass wir Eier nicht nur aus dem Umland unserer Stadt, sondern sogar aus Nachbarländern wie den Niederlanden importieren. Aber immerhin liegt der Selbstversorgungsgrad bei Hühnereiern in Deutschland bei 76 Prozent.
Sogar schon im Deutschen Kaiserreich war um 1900 die Selbstversorgungsquote in mehreren zentralen Bereichen niedrig,
und Deutschland war strukturell auf Importe angewiesen.
Das betraf Weizen, Futtermittel und auch industrielle Rohstoffe.
Beim Weizen gab es eine deutliche Abhängigkeit von Importen aus den USA, Russland und Rumänien.
Mais (Futtermais) kam aus den USA, Argentinien sowie Rumänien und Ungarn (als Teil von Österreich-Ungarn).
Als im Ersten Weltkrieg eine Seeblockade gegen Deutschland verhängt wurde, fehlten eben dieser Weizen und die Futtermittel, und es kam zum Zusammenbruch der Tierhaltung. Das führte zu einer schweren Hungersnot in Deutschland, besonders in den Jahren 1916 bis 1918. Sie gilt als eine der größten zivilen Versorgungskatastrophen der deutschen Geschichte.
Ein Nebeneffekt der damals eingebrochenen Tierhaltung war Ledermangel. Deshalb konnten in Deutschland kaum noch Schuhe hergestellt werden, denn das wenige vorhandene Leder wurde für Militärstiefel benötigt. Aus der Zeit stammte die Redensart „Wir mussten früher barfuß zur Schule gehen!“ als tatsächliche Erinnerung an die Kindheit im Ersten Weltkrieg.