Zurück  •  Startseite Herkunft.de  •  Impressum & Datenschutz

Die Bundeskanzler der BRD

Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutsch­land wird vom Deut­schen Bundes­tag ge­wählt. Seit der Grün­dung der BRD 1949 ist der­zeit Fried­rich Merz der 10. Bundes­kanzler.

Konrad Adenauer (Amtszeit 1949 - 1963)

Konrad Adenauer, der erste Bundes­kanzler der Bundes­republik, prägte die junge Demo­kratie wie kein ande­rer. Seine Amts­zeit war von der Heraus­forde­rung ge­prägt, aus den Trüm­mern des Zwei­ten Welt­kriegs einen funktio­nieren­den Staat auf­zubauen und Deutsch­land wieder in die west­liche Staaten­gemein­schaft zu inte­grie­ren. Adenauer ent­schied sich klar für die West­bindung und trieb die euro­pä­ische Inte­gra­tion voran - die Montan­union 1951 und die Römi­schen Ver­träge 1957 tru­gen seine Hand­schrift. Die Wieder­bewaff­nung und NATO-Mitglied­schaft 1955 sowie die Unter­zeich­nung der Pariser Ver­träge, die Deutsch­land weit­gehende Souverä­nität zurück­gaben, waren weite­re Meilen­steine. In der Bevöl­ke­rung galt „Der Alte“ als autori­täre, aber respek­tier­te Vater­figur, die Deutsch­land Stabi­li­tät und wirt­schaft­lichen Auf­schwung brachte. Seine enge Bindung an die USA und Frank­reich sowie seine kompro­miss­lose Hal­tung gegen­über der DDR präg­ten die deut­sche Poli­tik für Jahr­zehnte.

Ludwig Erhard (Amtszeit 1963 - 1966)

Ludwig Erhard, als „Vater des Wirt­schafts­wunders“ be­kannt, trat ein schwe­res Erbe an. Die wirt­schaft­liche Erfolgs­geschich­te der 1950er Jahre geriet ins Stocken, und erste Rezes­sions-Erschei­nun­gen zeig­ten sich. Erhard muss­te sich mit der ers­ten Wirt­schafts­krise der Bundes­republik aus­einander­setzen und gleich­zeitig die außen­politi­schen Ver­pflich­tungen Adenauers weiter­führen. Seine wichtigs­ten Ent­scheidun­gen be­trafen Wirt­schafts- und Finanz­politik, doch fehlte ihm das politi­sche Geschick Adenauers im Umgang mit Koali­tions­partnern. Die Bevölke­rung schätzte ihn zwar als Wirt­schafts­experten, doch als Kanzler wirkte er un­sicher und wenig durch­setzungs­fähig. Die „formierte Gesell­schaft“, sein poli­ti­sches Konzept, blieb vage und konn­te nicht über­zeugen. Nach nur drei Jah­ren ende­te seine Kanzler­schaft in einer Regierungs­krise.

Kurt Georg Kiesinger (Amtszeit 1966 - 1969)

Kiesinger führte die erste Große Koali­tion zwi­schen CDU/CSU und SPD an - eine histo­rische Zäsur in der deut­schen Nach­kriegs­geschich­te. Seine Amts­zeit war von innen­politi­schen Spannun­gen und dem Auf­kommen der Studenten­bewegung ge­prägt, die gegen das Establish­ment rebel­lierte. Wichtige Ent­scheidun­gen waren die Not­stands­gesetze 1968, die heftig um­stritten waren, und vorsich­tige Öffnun­gen in der Ost­politik. Kiesin­gers größ­te Hypo­thek war seine NSDAP-Vergangen­heit, die ihn beson­ders bei der jünge­ren Genera­tion unglaub­würdig machte. Die Ohr­feige von Beate Klars­feld 1968 wurde zum Symbol die­ser Aus­einander­setzung. In der Bevölke­rung blieb er eine um­strit­tene Figur - ge­schätzt für seine Ver­mittlungs­fähig­keit in der Großen Koali­tion, aber be­lastet durch seine Ver­gangen­heit und den Vor­wurf, zu zöger­lich auf gesell­schaft­liche Ver­änderun­gen zu re­agieren.

Willy Brandt (Amtszeit 1969 - 1974)

Willy Brandt leitete mit seinem Motto „Mehr Demo­kratie wagen“ einen Para­digmen­wechsel ein. Seine Kanzler­schaft war ge­prägt von der Heraus­forde­rung, die verkrus­teten Struk­turen der Adenauer-Ära aufzu­brechen und Deutsch­land ein moderne­res, liberale­res Gesicht zu geben. Die neue Ost­politik war seine histori­sche Leis­tung: Die Ost­verträge mit der Sowjet­union und Polen, der Grund­lagen­vertrag mit der DDR und der Knie­fall von Warschau 1970 ver­änderten die europä­ische Nach­kriegs­ordnung funda­mental. Innen­poli­tisch trieb er Bildungs­reformen und die gesell­schaft­liche Öffnung voran. Bei der Bevölke­rung war Brandt polari­sierend - für die einen war er der Friedens­kanzler und Hoffnungs­träger, für die ande­ren ein Ver­räter deut­scher Inte­ressen. Sein Rück­tritt 1974 nach der Guillaume-Affäre, einem DDR-Spionage-Skandal, er­schüt­ter­te seine An­hänger tief. Brandt er­hielt 1971 den Friedens-Nobel­preis für seine Ent­span­nungs­politik.

Helmut Schmidt (Amtszeit 1974 - 1982)

Helmut Schmidt, der „Macher“, über­nahm das Amt in turbu­lenten Zeiten. Die Öl­krise, Wirtschafts­probleme, der RAF-Terroris­mus und die Heraus­forde­run­gen der Ent­span­nungs­politik prägten seine Kanzler­schaft. Schmidt bewies be­sonders während des „Deut­schen Herbstes“ 1977 Führungs­stärke, als er trotz der Ent­füh­rung Hanns-Martin Schleyers nicht auf Er­pres­sung ein­ging. Der NATO-Doppel­beschluss 1979, den er maß­geblich voran­trieb, sollte durch Auf­rüstung Ver­handlungs­bereit­schaft er­zwingen, spalte­te aber seine eigene Partei, und die Friedens­bewegung mobili­sier­te Hundert­tausen­de. Schmidt war ein pragma­ti­scher Krisen­manager mit interna­tiona­ler Reputa­tion, beson­ders in der Wirt­schafts- und Sicher­heits­politik. In der Bevölke­rung galt er als kompe­tent und integer, aber auch als zu­nehmend abge­hoben und un­nahbar. Sein Verhältnis zur SPD-Linken ver­schlech­ter­te sich konti­nuier­lich, bis er 1982 durch ein konstruk­ti­ves Miss­trauens­votum ge­stürzt wurde.

Helmut Kohl (Amtszeit 1982 - 1998)

Helmut Kohl wurde zum Kanzler der deut­schen Ein­heit und zur prägends­ten Figur der deut­schen Nach­kriegs­geschich­te nach Adenauer. Seine 16-jährige Amts­zeit war zunächst von wirt­schaft­licher Konsoli­die­rung ge­prägt, doch 1989/90 bot sich ihm die histo­ri­sche Chance, die deut­sche Ein­heit zu voll­enden. Mit dem Zehn-Punkte-Programm, der Währungs­union und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag ge­stalte­te er den Eini­gungs­prozess ent­scheidend. Die Heraus­forderun­gen waren immens: der wirt­schaft­liche Wieder­aufbau Ost­deutsch­lands, der Umbruch in Europa nach dem Kalten Krieg und die Ver­tiefung der europä­ischen Inte­gra­tion mit dem Maastricht-Vertrag und der Ein­füh­rung des Euro. Kohl wurde in der Bevölke­rung unter­schied­lich wahr­genom­men - als „Kanzler der Einheit“ verehrt, aber auch kriti­siert für die Kosten der Wieder­vereini­gung und die wachsen­de Arbeits­losig­keit in den 1990er Jah­ren. Seine „blühen­den Land­schaf­ten“ schie­nen sich zu ver­zögern. Am Ende seiner Amts­zeit war er ver­braucht, und die CDU-Spenden­affäre be­schädig­te sein Ver­mächt­nis nach­haltig.

Gerhard Schröder (Amtszeit 1998 - 2005)

Gerhard Schröder kam mit dem Ver­sprechen an die Macht, die ver­kruste­ten Struk­turen auf­zubrechen und Deutsch­land zu moderni­sie­ren. Seine Kanzler­schaft war von der Heraus­forde­rung ge­prägt, Deutsch­land fit für die Globali­sie­rung zu machen, während gleich­zeitig die Arbeits­losig­keit auf über vier Mil­lio­nen stieg. Die Agenda 2010 und die Hartz-Refor­men waren seine ein­schneidends­ten Ent­schei­dungen - sie flexibi­li­sier­ten den Arbeits­markt, schwäch­ten aber den Sozial­staat und ent­fremde­ten große Teile der SPD-Basis. Außen­poli­tisch zeigte Schröder Eigen­ständig­keit: Er ver­weiger­te 2003 die deut­sche Betei­li­gung am Irak-Krieg, was das Verhält­nis zu den USA be­lastete, ihm aber Zu­stim­mung in der Bevölke­rung ein­brachte. Seine Russland-Politik, be­sonders die Nord-Stream-Koopera­tion, ist heute höchst um­strit­ten. In der Bevölke­rung galt Schröder als kommuni­ka­tiv ge­schickt, aber auch als macht­bewusst und eitel. Die Hartz-Reformen spalte­ten das Land und führ­ten letzt­lich zu seiner Nieder­lage 2005, obwohl sie wirt­schaft­lich später als erfolg­reich galten.

Angela Merkel (Amtszeit 2005 - 2021)

Angela Merkel, die erste Bundes­kanzle­rin Deutsch­lands, führte das Land durch eine beispiel­lose Serie von Krisen. Die Finanz­krise 2008/09, die Euro­krise ab 2010, die Flüchtlings­krise 2015/16, die Annexion der Krim 2014 und schließ­lich die COVID-19-Pande­mie ab 2020 präg­ten ihre 16-jährige Amts­zeit. Merkel agierte als Krisen­manage­rin mit dem Prinzip „auf Sicht fahren“ - pragma­tisch, aber manch­mal auch zöger­lich. Ihre Ent­schei­dung 2015, die Grenzen für Ge­flüchte­te offen zu hal­ten, war ihre mutigs­te und um­strittens­te Ent­schei­dung. Der Atom­ausstieg nach Fuku­shima 2011 und die Rettung des Euro mit dem Credo „Scheitert der Euro, schei­tert Europa“ waren weite­re Weichen­stellun­gen. Wichtige struktu­relle Re­formen blieben jedoch aus. In der Bevölke­rung änderte sich die Wahr­neh­mung über die Jahre: Anfangs als kühl und emotions­los be­schrie­ben, wurde sie zu­nehmend als ver­läss­liche „Mutti“ ge­schätzt, die Deutsch­land sicher durch Krisen steuer­te. Interna­tio­nal genoss sie höchs­tes An­sehen als „Führe­rin der freien Welt“, beson­ders während der ers­ten Regierungs­zeit von Donald Trump.

Olaf Scholz (Amtszeit 2021 - 2025)

Olaf Scholz trat sein Amt in einer Phase multip­ler Um­brüche an. Die Corona-Pande­mie war noch nicht über­wunden, als der russi­sche An­griff auf die Ukraine im Febru­ar 2022 eine „Zeiten­wende“ markier­te, wie Scholz es selbst formu­lier­te. Die größ­ten Heraus­forde­run­gen sind der Ukraine-Krieg und seine Folgen: die Energie­krise und die hohe Infla­tion. Außerdem die Trans­forma­tion zur Klima­neutrali­tät und die Not­wendig­keit, Deutsch­land sicher­heits­poli­tisch neu aus­zurich­ten. Scholz ent­schied, massive Waffen­liefe­run­gen an die Ukraine zu ge­nehmi­gen, das 100-Milliar­den-Sonder­vermö­gen für die Bundes­wehr auf­zulegen und sich von russi­schem Gas zu lösen.
Die Ampel-Koali­tion aus SPD, Grünen und FDP er­wies sich als zer­strit­ten, be­son­ders in Wirt­schafts- und Haus­halts­fragen, was im Novem­ber 2024 zum Koali­tions­bruch führte. In der Bevölke­rung wird Scholz unter­schied­lich wahr­genom­men - von manchen als be­sonne­ner Staats­mann ge­schätzt, von ande­ren als zu zöger­lich kriti­siert, be­son­ders bei Waffen­liefe­run­gen an die Ukraine. Seine Kommuni­ka­tion galt vielen als sperrig, sein Regierungs­stil als wenig trans­parent. Die wirt­schaft­liche Stagna­tion und Haus­halts­engpässe be­laste­ten sein An­sehen.


Zurück  •  nach oben  • Startseite Herkunft.de