Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wird vom Deutschen Bundestag gewählt. Seit der Gründung der BRD 1949 ist derzeit Friedrich Merz der 10. Bundeskanzler.
Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik, prägte die junge Demokratie wie kein anderer. Seine Amtszeit war von der Herausforderung geprägt, aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs einen funktionierenden Staat aufzubauen und Deutschland wieder in die westliche Staatengemeinschaft zu integrieren. Adenauer entschied sich klar für die Westbindung und trieb die europäische Integration voran - die Montanunion 1951 und die Römischen Verträge 1957 trugen seine Handschrift. Die Wiederbewaffnung und NATO-Mitgliedschaft 1955 sowie die Unterzeichnung der Pariser Verträge, die Deutschland weitgehende Souveränität zurückgaben, waren weitere Meilensteine. In der Bevölkerung galt „Der Alte“ als autoritäre, aber respektierte Vaterfigur, die Deutschland Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Seine enge Bindung an die USA und Frankreich sowie seine kompromisslose Haltung gegenüber der DDR prägten die deutsche Politik für Jahrzehnte.
Ludwig Erhard, als „Vater des Wirtschaftswunders“ bekannt, trat ein schweres Erbe an. Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der 1950er Jahre geriet ins Stocken, und erste Rezessions-Erscheinungen zeigten sich. Erhard musste sich mit der ersten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik auseinandersetzen und gleichzeitig die außenpolitischen Verpflichtungen Adenauers weiterführen. Seine wichtigsten Entscheidungen betrafen Wirtschafts- und Finanzpolitik, doch fehlte ihm das politische Geschick Adenauers im Umgang mit Koalitionspartnern. Die Bevölkerung schätzte ihn zwar als Wirtschaftsexperten, doch als Kanzler wirkte er unsicher und wenig durchsetzungsfähig. Die „formierte Gesellschaft“, sein politisches Konzept, blieb vage und konnte nicht überzeugen. Nach nur drei Jahren endete seine Kanzlerschaft in einer Regierungskrise.
Kiesinger führte die erste Große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD an - eine historische Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Seine Amtszeit war von innenpolitischen Spannungen und dem Aufkommen der Studentenbewegung geprägt, die gegen das Establishment rebellierte. Wichtige Entscheidungen waren die Notstandsgesetze 1968, die heftig umstritten waren, und vorsichtige Öffnungen in der Ostpolitik. Kiesingers größte Hypothek war seine NSDAP-Vergangenheit, die ihn besonders bei der jüngeren Generation unglaubwürdig machte. Die Ohrfeige von Beate Klarsfeld 1968 wurde zum Symbol dieser Auseinandersetzung. In der Bevölkerung blieb er eine umstrittene Figur - geschätzt für seine Vermittlungsfähigkeit in der Großen Koalition, aber belastet durch seine Vergangenheit und den Vorwurf, zu zögerlich auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.
Willy Brandt leitete mit seinem Motto „Mehr Demokratie wagen“ einen Paradigmenwechsel ein. Seine Kanzlerschaft war geprägt von der Herausforderung, die verkrusteten Strukturen der Adenauer-Ära aufzubrechen und Deutschland ein moderneres, liberaleres Gesicht zu geben. Die neue Ostpolitik war seine historische Leistung: Die Ostverträge mit der Sowjetunion und Polen, der Grundlagenvertrag mit der DDR und der Kniefall von Warschau 1970 veränderten die europäische Nachkriegsordnung fundamental. Innenpolitisch trieb er Bildungsreformen und die gesellschaftliche Öffnung voran. Bei der Bevölkerung war Brandt polarisierend - für die einen war er der Friedenskanzler und Hoffnungsträger, für die anderen ein Verräter deutscher Interessen. Sein Rücktritt 1974 nach der Guillaume-Affäre, einem DDR-Spionage-Skandal, erschütterte seine Anhänger tief. Brandt erhielt 1971 den Friedens-Nobelpreis für seine Entspannungspolitik.
Helmut Schmidt, der „Macher“, übernahm das Amt in turbulenten Zeiten. Die Ölkrise, Wirtschaftsprobleme, der RAF-Terrorismus und die Herausforderungen der Entspannungspolitik prägten seine Kanzlerschaft. Schmidt bewies besonders während des „Deutschen Herbstes“ 1977 Führungsstärke, als er trotz der Entführung Hanns-Martin Schleyers nicht auf Erpressung einging. Der NATO-Doppelbeschluss 1979, den er maßgeblich vorantrieb, sollte durch Aufrüstung Verhandlungsbereitschaft erzwingen, spaltete aber seine eigene Partei, und die Friedensbewegung mobilisierte Hunderttausende. Schmidt war ein pragmatischer Krisenmanager mit internationaler Reputation, besonders in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. In der Bevölkerung galt er als kompetent und integer, aber auch als zunehmend abgehoben und unnahbar. Sein Verhältnis zur SPD-Linken verschlechterte sich kontinuierlich, bis er 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt wurde.
Helmut Kohl wurde zum Kanzler der deutschen Einheit und zur prägendsten Figur der deutschen Nachkriegsgeschichte nach Adenauer. Seine 16-jährige Amtszeit war zunächst von wirtschaftlicher Konsolidierung geprägt, doch 1989/90 bot sich ihm die historische Chance, die deutsche Einheit zu vollenden. Mit dem Zehn-Punkte-Programm, der Währungsunion und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag gestaltete er den Einigungsprozess entscheidend. Die Herausforderungen waren immens: der wirtschaftliche Wiederaufbau Ostdeutschlands, der Umbruch in Europa nach dem Kalten Krieg und die Vertiefung der europäischen Integration mit dem Maastricht-Vertrag und der Einführung des Euro. Kohl wurde in der Bevölkerung unterschiedlich wahrgenommen - als „Kanzler der Einheit“ verehrt, aber auch kritisiert für die Kosten der Wiedervereinigung und die wachsende Arbeitslosigkeit in den 1990er Jahren. Seine „blühenden Landschaften“ schienen sich zu verzögern. Am Ende seiner Amtszeit war er verbraucht, und die CDU-Spendenaffäre beschädigte sein Vermächtnis nachhaltig.
Gerhard Schröder kam mit dem Versprechen an die Macht, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen und Deutschland zu modernisieren. Seine Kanzlerschaft war von der Herausforderung geprägt, Deutschland fit für die Globalisierung zu machen, während gleichzeitig die Arbeitslosigkeit auf über vier Millionen stieg. Die Agenda 2010 und die Hartz-Reformen waren seine einschneidendsten Entscheidungen - sie flexibilisierten den Arbeitsmarkt, schwächten aber den Sozialstaat und entfremdeten große Teile der SPD-Basis. Außenpolitisch zeigte Schröder Eigenständigkeit: Er verweigerte 2003 die deutsche Beteiligung am Irak-Krieg, was das Verhältnis zu den USA belastete, ihm aber Zustimmung in der Bevölkerung einbrachte. Seine Russland-Politik, besonders die Nord-Stream-Kooperation, ist heute höchst umstritten. In der Bevölkerung galt Schröder als kommunikativ geschickt, aber auch als machtbewusst und eitel. Die Hartz-Reformen spalteten das Land und führten letztlich zu seiner Niederlage 2005, obwohl sie wirtschaftlich später als erfolgreich galten.
Angela Merkel, die erste Bundeskanzlerin Deutschlands, führte das Land durch eine beispiellose Serie von Krisen. Die Finanzkrise 2008/09, die Eurokrise ab 2010, die Flüchtlingskrise 2015/16, die Annexion der Krim 2014 und schließlich die COVID-19-Pandemie ab 2020 prägten ihre 16-jährige Amtszeit. Merkel agierte als Krisenmanagerin mit dem Prinzip „auf Sicht fahren“ - pragmatisch, aber manchmal auch zögerlich. Ihre Entscheidung 2015, die Grenzen für Geflüchtete offen zu halten, war ihre mutigste und umstrittenste Entscheidung. Der Atomausstieg nach Fukushima 2011 und die Rettung des Euro mit dem Credo „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ waren weitere Weichenstellungen. Wichtige strukturelle Reformen blieben jedoch aus. In der Bevölkerung änderte sich die Wahrnehmung über die Jahre: Anfangs als kühl und emotionslos beschrieben, wurde sie zunehmend als verlässliche „Mutti“ geschätzt, die Deutschland sicher durch Krisen steuerte. International genoss sie höchstes Ansehen als „Führerin der freien Welt“, besonders während der ersten Regierungszeit von Donald Trump.
Olaf Scholz trat sein Amt in einer Phase multipler Umbrüche an.
Die Corona-Pandemie war noch nicht überwunden, als der russische Angriff
auf die Ukraine im Februar 2022 eine „Zeitenwende“ markierte, wie Scholz es selbst formulierte.
Die größten Herausforderungen sind der Ukraine-Krieg und seine Folgen:
die Energiekrise und die hohe Inflation.
Außerdem die Transformation zur Klimaneutralität und die Notwendigkeit, Deutschland
sicherheitspolitisch neu auszurichten.
Scholz entschied, massive Waffenlieferungen an die Ukraine
zu genehmigen, das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr aufzulegen
und sich von russischem Gas zu lösen.
Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP erwies sich als zerstritten,
besonders in Wirtschafts- und Haushaltsfragen, was im November 2024 zum Koalitionsbruch führte.
In der Bevölkerung wird Scholz unterschiedlich wahrgenommen - von manchen
als besonnener Staatsmann geschätzt, von anderen als zu zögerlich kritisiert,
besonders bei Waffenlieferungen an die Ukraine. Seine Kommunikation galt vielen als sperrig,
sein Regierungsstil als wenig transparent.
Die wirtschaftliche Stagnation und Haushaltsengpässe belasteten sein Ansehen.