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Erdgas-Nutzung in Deutschland

Vom Stadtgas zum Erdgas

Um die Bedeutung des Erdgases für Deutsch­land zu ver­stehen, muss man weit zurück­blicken - ins frühe 19. Jahr­hun­dert, als in deut­schen Städten erst­mals Gas als Energie­träger einge­setzt wurde. Es war jedoch kein Erdgas, das damals durch die Rohrlei­tun­gen floss, sondern soge­nann­tes Stadtgas: ein gifti­ges, nach Schwefel riechen­des Gemisch aus Kohlen­stoff­monoxid, Wasser­stoff und anderen Kohlen­wasser­stoffen, das durch die Erhit­zung von Stein­kohle gewonnen wurde.

Das erste Gaswerk auf dem europä­ischen Kontinent ent­stand 1825 in Hannover. Bis 1870 gab es bereits über 340 Gas­werke in Deutsch­land, die Stadt­gas aus Kohle er­zeug­ten. Zunächst diente das Gas fast aus­schließ­lich zur Beleuch­tung von Straßen und Wohnun­gen. Erst später, mit der Ent­wick­lung von Gas­herden und Gas­heizun­gen, wurde es zum Alltags­energie­träger für Millio­nen von Haushalten.

Das Stadtgas hatte jedoch erheb­liche Nach­teile: Es war hoch­giftig - der hohe Kohlen­stoff­monoxid-Anteil ver­ursachte zahl­reiche töd­liche Unfälle und war leider auch Mittel zahl­reicher Suizide. Außerdem hatte es einen deut­lich geringe­ren Heiz­wert als späteres Erdgas und musste auf­wendig lokal produ­ziert werden. Die Infra­struk­tur war dezentral und kost­spielig.

Die eigentliche Entdeckung von Erdgas in Deutsch­land begann schon früher, als oft gedacht: 1910 wurde bei Neuengamme nahe Hamburg erst­mals Erdgas ge­funden. In den folgen­den Jahr­zehnten wurden weitere Vor­kommen in Nord­deutsch­land er­schlossen. Die DDR ent­deckte Anfang der 1950er Jahre ein bedeuten­des Erdgas­vorkom­men bei Salzwedel, das ab 1968 indus­triell ge­nutzt wurde.

Doch noch bis weit in die 1960er Jahre hinein dominier­ten Stadt­gas und Kohle die Energie­versor­gung der deut­schen Haus­halte. Der große Wandel kam erst mit zwei Ereig­nissen, die fast gleich­zeitig ein­traten: der Ent­deckung riesi­ger Erdgas­felder in den Nieder­landen und dem Beginn von Importen aus der Sowjet­union.

Der Durchbruch: Holländisches Gas

Das Jahr 1959 wurde zum Wendepunkt: In Groningen in den Nieder­landen wurde eines der größ­ten Erdgas­felder Europas ent­deckt. Für Deutsch­land, das geo­grafisch direkt an die Nieder­lande grenzte, war das eine riesige Chance. 1959 stellte Oldenburg als erste deut­sche Großstadt die Gasversor­gung voll­stän­dig auf Erdgas um - das Gas stammte aus dem nur 45 km ent­fernten norddeut­schen Lastrup.

Das holländische Erdgas hatte einen annähernd doppelt so hohen Heiz­wert wie das bis­herige Stadtgas. Noch attrak­tiver war ein weite­rer Vorteil: Es ent­hielt kein giftiges Kohlen­stoff­monoxid und war damit deut­lich sicherer. Im Laufe der 1960er Jahre be­gannen immer mehr westdeut­sche Städte, ihre Gas­netze umzu­stellen - ein enormer infra­struk­tureller Kraft­akt, denn Leitungen, Düsen, Dich­tun­gen und Haushalts­geräte mussten umgebaut oder ausge­tauscht werden.

Gleichzeitig erlebte Erdgas in den 1960er Jahren einen weiteren Be­deutungs­gewinn: Es wurde nun erst­mals im großen Stil zum Beheizen von Häusern einge­setzt. Gashei­zun­gen lösten nach und nach Kohle­öfen und Ölhei­zun­gen ab und ver­sprachen Komfort, Sauber­keit und vergleichs­weise günstige Preise. Die Bindung des Gas­preises an den Erdöl­preis, die damals fest­gelegt wurde, sollte die Ver­braucher vor zu schnellen Preis­sprüngen schützen.

Ende der 1970er Jahre war die Umstel­lung auf Erdgas in West­deutsch­land weit­gehend abge­schlossen. Eine wichtige Aus­nahme blieb West-Berlin: Aus poli­ti­schen Gründen - die Stadt war von der DDR um­schlossen und konnte nicht einfach über Land mit Gas ver­sorgt werden - blieb die Berliner Bevölke­rung noch lange beim Stadt­gas und Kokerei­gas. West-Berlin erhielt erst 1985 Zugang zu russi­schem Erdgas, und die voll­ständige Umstel­lung auf moder­nes Erdgas fand hier erst 1996 statt - als letzte Stadt im vereinten Deutsch­land.

Röhren-Gas aus Russland

Parallel zur Nutzung holländi­schen Gases ent­stand in den 1970er Jah­ren eine neue, weit folgen­reichere Energie­beziehung: die mit der Sowjet­union. 1970 schloss die Ruhr­gas AG das erste Import­abkommen mit der Sowjet­union - ein Deal, der als "Röhren-Gas-Geschäft" in die Geschichte eingehen sollte.

Das Prinzip war einfach und clever: Deutsch­land lieferte Stahl­rohre, die die Sowjet­union dringend für den Bau von Pipelines brauchte. Im Gegen­zug lieferte Moskau Erdgas. Für beide Seiten schien das Geschäft attrak­tiv: Deutsch­land bekam einen neuen, kosten­günsti­gen Energie­lieferan­ten; die Sowjet­union erhielt dringend be­nötigte Industrie­güter und Devisen.

Das Geschäft war jedoch von Anfang an poli­tisch heiß um­stritten. Die USA unter Präsident Nixon - und später beson­ders unter Ronald Reagan - sahen in der Ab­hängig­keit West­deutsch­lands von sowjeti­schem Gas eine gravieren­de Sicher­heits­gefähr­dung. Reagan ver­suchte sogar, durch Export­kontrollen europä­ische Unter­neh­men daran zu hindern, am Pipeline­bau mit­zuwirken - scheiterte aber am ent­schlos­senen Wider­stand der Bundesregie­rung und der west­europäischen Verbündeten.

Die deutschen Befürworter des Deals argumen­tierten über­zeugend mit der Theorie des "Wandels durch Handel": Wirt­schaft­liche Verflech­tung mache beide Seiten von­einander abhängig und schaffe damit einen struktu­rellen Anreiz für Frieden und Koopera­tion. Kein Land beißt die Hand, die es füttert - und ver­kauft. Diese Über­zeugung war zutiefst in der sozial­demokra­ti­schen Ostpoli­tik Willy Brandts ver­wurzelt und prägte die deut­sche Außenwirt­schaftspoli­tik für Jahrzehnte.

Die 1980er Jahre brachten weiteres Wachstum. Mit der deut­schen Wieder­vereini­gung 1990 kam eine neue Dimension hinzu: Die DDR hatte ihre Gasversor­gung eben­falls stark auf sowje­ti­sches Erdgas ausge­richtet. Der volks­eigene Betrieb "Verbund­netz Gas" (VNG), gegrün­det 1969, hatte ein flächen­deckendes ost­deut­sches Fern­gas­netz aufge­baut, das nun Teil des verein­ten Deutsch­lands wurde. Von 1991 bis 1997 wurden allein in Ost­deutschland 2,8 Millio­nen Haushalte von Stadtgas und Braunkohlegas auf moder­nes Erdgas umgestellt - ein gigan­ti­sches Infrastrukturprojekt, das in den Nachwendejahren 450.000 Haushalte pro Jahr einbezog.

Erdgas als Heizenergie in Haushalten

Parallel zu den geopoliti­schen Entwick­lun­gen vollzog sich in deut­schen Wohn­zimmern, Kessel­häusern und Kellern ein stiller Wandel: die Ölheizung war lange Zeit der Standard in Deutsch­land - nach der Ölpreis­krise von 1973/74 wurde sie jedoch zu­nehmend durch Gashei­zun­gen verdrängt, da Gas preis­lich stabiler und bequemer erschien.

Gasheizungen hatten klare Vorteile: kein Tank, der be­füllt werden musste; keine Geruchs­belästi­gung; günstige An­schaffungs­kosten; und im Ver­gleich zu Kohle oder Öl deut­lich sauberere Verbren­nung. Im Laufe der 1970er, 1980er und 1990er Jah­re breitete sich das Gas­netz stetig in die Fläche aus, erschloss immer mehr länd­liche Gebiete und wurde zum Synonym für moder­nen, komforta­blen Wohn­standard.

Heute sind mehr als 50% aller deut­schen Haus­halte an das Gas­netz ange­schlossen. Das ent­spricht rund 20 Millio­nen Wohn­einheiten. Für Millio­nen von Deutschen ist das jähr­liche Ritual des Gaspreis-Vergleichs, der Abgas-Unter­suchung am Brenner und das leise Rauschen der Gas­therme im Keller ein selbst­verständ­li­cher Teil des All­tags geworden - ohne dass die meisten je darüber nachge­dacht hätten, woher dieses Gas eigent­lich kommt.

Genau diese Selbstverständlich­keit war ein Teil des Problems.

Nord Stream

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends schien das Modell "russi­sches Gas als Grund­lage der deut­schen Energie­versorgung" nicht nur bewährt, sondern geradezu zukunfts­fähig. Russland hatte zu­ver­lässig ge­liefert, die Preise waren lange stabil, und die wirt­schaft­liche Verflech­tung galt als Garant für poli­tische Stabi­lität.

In diesem Kontext wurde das Nord Stream-Projekt geboren: eine direkte Unter­wasser-Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutsch­land - ohne Transit­länder wie Polen oder die Ukraine, die poli­tisch un­zuver­lässig oder zumindest un­bequem er­schienen. Nord Stream 1 ging 2011 in Betrieb, Nord Stream 2 wurde trotz massiver inter­natio­naler Kritik geplant und weit­gehend fertig­gestellt, trat aber nie in regulä­ren Betrieb.

Die Kritiker waren laut - und wurden nicht gehört. Polen und die bal­ti­schen Staaten, die russische Außenpoli­tik aus eigener histo­rischer Erfah­rung beson­ders kri­tisch beobach­teten, warnten ein­dring­lich: Direkte Pipe­lines stärk­ten Russ­lands Fähig­keit, Energie als geo­poli­tische Waffe einzu­setzen. Die USA drohten mit Sank­tio­nen gegen am Bau be­teiligte Unter­neh­men. Doch Berlin be­trachtete Nord Stream bis zuletzt als rein wirt­schaft­li­ches Projekt - eine Einschätzung, die im Rückblick naiv wirkt.

Auf dem Höhepunkt dieser Abhängig­keit bezog Deutsch­land mehr als 55% seines importierten Erd­gases aus Russ­land. Das bedeutete: Mehr als jede zweite Kilowatt­stunde Wärme, die eine deut­sche Gashei­zung erzeugte, kam letzt­lich aus russi­schen Feldern in Sibirien. Eine Ab­hängig­keit, die nicht über Nacht ent­standen war, sondern über fünf Jahr­zehnte strate­gischer Ent­schei­dungen - oder, wie man heute sagen würde, strate­gischer Ver­säumnisse.

Ein erster Warnschuss kam schon 2006 und 2009, als Russland die Gas­liefe­run­gen durch die Ukraine vorüber­gehend unter­brach und auch Europa unter Druck geriet. Nach der Annexion der Krim 2014 war das strategische Risiko der Russland-Abhängig­keit end­gültig offen­kundig. Doch statt grund­legend umzu­steuern, wurden die Pläne für Nord Stream 2 voran­getrieben. Die Wirt­schafts­interessen - und die Bequem­lich­keit des Bewährten - siegten über die strate­gische Vernunft.

Der Schock

Am 24. Februar 2022 begann Russland seinen umfassen­den Angriffs­krieg gegen die Ukraine. Was strate­gische Analysten seit Jahren vorher­gesagt hatten, wurde Realität: Russland nutzte seine Energie­liefe­run­gen als geopoli­ti­sches Druck­mittel. Im Laufe des Jahres 2022 drossel­te Moskau die Gasliefe­run­gen über Nord Stream 1 schritt­weise auf fast null - offiziell unter dem Vorwand tech­nischer Probleme mit einer Turbine, tatsäch­lich als wirt­schaft­liche Druck­maßnahme.

Deutsch­land stand vor einer Situation, die in Friedens­zeiten nahezu undenk­bar er­schienen war: Die Energie­versor­gung von 20 Millio­nen Haus­halten und einer der größ­ten Industrien­ationen der Welt war akut ge­fährdet. Die Bundes­regierung rief die "Alarm­stufe" des Notfall­plans Gas aus. Unter­neh­men wurden aufge­fordert, ihren Gas­verbrauch zu reduzie­ren. Kommunen schalte­ten Warm­wasser in Schwimm­bädern ab. Es wurde öffent­lich über die Rationie­rung von Energie diskutiert - eine Debatte, die in der Bundesrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg unbekannt gewesen war.

In dieser Notlage gelang Deutsch­land eine Energiepoli­tik-Wende, die viele für unmög­lich ge­halten hätten:

LNG-Terminals wurden in Rekordzeit ge­nehmigt und gebaut. Normaler­weise dauern solche Infra­struktur­projekte in Deutsch­land Jahre, wenn nicht Jahr­zehnte. Schwimmende Flüssig­gas-Terminals (so­genannte FSRUs - Floating Storage and Regasifica­tion Units) wurden inner­halb von Monaten in Dienst ge­stellt, unter anderem in Wilhelms­haven, Brunsbüttel, Lubmin und auf Rügen. Das war ein bürokra­ti­sches und logis­ti­sches Meister­stück, das zeigte, was mög­lich ist, wenn poli­ti­scher Wille und echte Dringlich­keit zusammenkommen.

Neue Lieferverträge wurden geschlossen: mit Norwegen, mit den Nieder­landen, mit Katar, mit den USA. Flüssig­gas (LNG) aus Amerika, das per Schiff über den Atlantik trans­por­tiert wurde, wurde plötz­lich ein bedeuten­der Teil der deut­schen Energieversor­gung - auch wenn es teurer war als russi­sches Pipeline­gas.

Bereits seit Anfang 2023 wies die Bundes­netz­agentur keine russi­schen Gas­mengen mehr in den deut­schen Import­statisti­ken aus. Die einst­mals schein­bar un­trenn­bare Ver­bindung war damit offi­ziell be­endet - zumindest auf dem Papier.

Eine neue Abhängigkeitsstruktur

Deutsch­land hat die Abhängig­keit von russischem Gas über­wunden - doch ist damit das struktu­relle Problem gelöst? Kritiker bezweifeln das.

2024 sah die Importstruktur wie folgt aus: Norwegen lieferte 48%, die Niederlande 25%, Belgien 18% - und über die vier deut­schen LNG-Terminals wurden 8% (69 TWh) importiert. Das über Belgien ein­laufende Gas stammt zum großen Teil aus LNG-Terminals in Zeebrügge, wohin Flüssig­gas vor allem aus den USA ange­liefert wird.

Die Diversifizierung ist real und bedeut­sam. Keine einzelne Liefer­quelle dominiert mehr so wie Russland es einst tat. Doch es ent­stehen neue Abhängig­keiten:

Norwegen ist heute der wichtigste Einzel­lieferant mit fast der Hälfte aller deut­schen Gas­importe. Das Land ist ein stabiler und ver­läss­li­cher Partner - ein NATO-Mitglied mit starken demokra­ti­schen Institu­tionen. Doch auch norwegi­sche Felder sind endlich, und Norwegen muss seine Res­sourcen lang­fristig bewirt­schaften.

Die USA spielen über LNG-Exporte eine wachsende Rolle. LNG ist jedoch grundsätz­lich teurer als Pipeline­gas: Es muss ver­flüssigt, auf Spezial­tanker geladen, über den Ozean trans­portiert und dann wieder regasifi­ziert werden. Das macht amerika­ni­sches LNG struktu­rell unflexi­bler und ab­hängig von globalen Schiff­fahrts­routen, Hafen-Kapazitä­ten und amerika­nischer Exportpoli­tik. Zudem hat die zweite Trump-Präsident­schaft deut­lich ge­macht, dass die USA Energieexporte zunehmend als geopoli­ti­sches Instrument betrachten.

Es wäre naiv zu glauben, dass Deutsch­land durch den Wechsel von einem Monopol­lieferan­ten zu mehreren Lieferan­ten alle strate­gischen Risiken elimi­niert hat. Die grund­legende Frage - wie lange Deutsch­land noch auf fossiles Erdgas ange­wiesen sein will und wird - bleibt offen.

Was bleibt von fünf Jahrzehnten Gas?

Die Geschichte des Erdgases in Deutsch­land ist im Kern eine Geschichte von Pfad­abhängig­keiten: Entschei­dungen, die einmal ge­troffen wurden, schufen Infra­struktu­ren, Gewohn­heiten, Interes­sen und Erwartun­gen, die spätere Ent­schei­dungen immer stärker einschränk­ten. Die erste Importlei­tung aus der Sowjet­union 1970 machte die zweite wahrschein­licher, die dritte noch wahr­schein­licher, und schließ­lich er­schien die Ab­hängig­keit als natür­li­cher Zustand.

Das ist kein deutsches Sonderphänomen - es ist das grund­legende Problem großer Infra­struktur­systeme. Gaspipelines haben Lebens­dauern von 50 Jah­ren und mehr. Gashei­zun­gen von 20 bis 30 Jah­ren. Kraft­werke von 30 bis 40 Jah­ren. Wer heute baut, ent­scheidet über die Energie­struktur von morgen und über­morgen.

In diesem Sinne sind die aktuellen Entscheidun­gen über neue Gas­kraft­werke, über LNG-Terminals, über die Förde­rung von Wasser­stoff und über den Zeit­plan des Heizungs­tausches keine rein tech­nischen Fragen. Es sind poli­tische Weichenstel­lun­gen mit Jahr­zehnte langer Wirkung.

Was sind die Lehren aus der Geschichte?

Erstens: Energieabhängig­kei­ten schaffen geopoli­tische Verwund­barkei­ten. Das gilt für russisches Pipeline­gas ebenso wie für amerika­ni­sches LNG, norwegi­sches Erdgas oder grünen Wasser­stoff aus weit ent­fern­ten Ländern. Echte Ver­sorgungs­sicher­heit er­fordert echte Diversi­fizie­rung - und das bedeutet vor allem: mehr Eigen­versor­gung durch heimische erneuer­bare Energien.

Zweitens: Wirtschaft­liche und strate­gische Interessen sind nicht immer deckungs­gleich. Das günstigs­te Gas war lang­fristig nicht das klügste Gas. Die einge­sparten Kosten der ver­gan­genen Jahr­zehnte werden durch die Kosten der über­stürz­ten Energie­wende nach 2022 weit über­troffen.

Drittens: Infrastruktur­entschei­dun­gen müssen mit sehr langen Zeit­horizonten gedacht werden. Neue Gas­kraft­werke, die heute ge­plant werden, werden 2031 ans Netz gehen und sollen bis 2045 laufen - das ist ein Zeit­raum, in dem die Energie­land­schaft sich noch mehr­fach grund­legend ver­ändern wird.

Viertens: Der Abschied vom Erdgas wird kommen - aber er wird Zeit brauchen. Für die nächs­ten 15 bis 20 Jahre bleibt Erdgas ein unverzicht­barer Be­standteil des deut­schen Energie­systems. Die Aufgabe der Poli­tik ist es, diesen Übergang so zu ge­stalten, dass er sozial verträglich, wirt­schaft­lich ver­nünftig und klimapoli­tisch verantwort­lich ist.


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