Unsere Vorstellung von Außerirdischen ist von Büchern, Comics und Filmen geprägt. Unten im Text wird auch die historische Idee von Außerirdischen beleuchtet.
Doch schauen wir erst mal nur 30 Jahre zurück: Der Film „Men in Black“ (1997) war ziemlich lustig und man kann an ihm eine innovative Wende im Umgang mit Aliens erkennen: Der Film beginnt nicht mit Raumfahrt, einem komplizierten Erstkontakt oder Alien-Angriff, sondern geht einfach schon davon aus, dass die Erde bereits voller Außerirdischer ist.
Die verschiedenen Spezies mit völlig unterschiedlichen Erscheinungsformen leben mitten unter uns, meistens heimlich, meistens friedlich. Einige haben bizarre Körperformen, tarnen sich als menschliche Ausländer und arbeiten in einfachen Jobs. Die Aliens sind echte Individuen: manche nett, manche nervig, manche durchtrieben. Was den Film so erfrischend macht: Die meisten Aliens sind keine bösen Invasoren, sondern leben auf der Erde in einer multikulturellen galaktischen Gesellschaft, lustigerweise mit uns gut bekannter Bürokratie, Einwanderungsregeln und sehr alltäglichen Problemen.
In Filmen früherer Jahrzehnte dienten Aliens stattdessen oft als gefährliche und gruselige Horror-Akteure. Die Filme „Alien“ (1979) und „Aliens - Die Rückkehr“ (1986) dürften den meisten wohl noch gut bekannt sein. Sie zählen zum Genre „Horror im Weltraum“, worin außerirdisches Leben als pure Bedrohung gezeigt wird. Diese Aliens sind keine zivilisierten Raumfahrer im Raumanzug, haben keine eigene Technologie, keine Strahlenwaffen "auf Betäubung gestellt", sondern werden als rein biologische Kreaturen und gefährliche Raubtiere dargestellt: albtraumhaft und parasitär.
Interessant ist, dass zwei andere SciFi-Filme der 1980er Jahre gänzlich ohne Außerirdische auskommen:
„Zurück in die Zukunft“ (1985) kommt ganz ohne fremde Welten aus
und verlässt nicht mal die Stadt (Hill Valley). Vom Fluxkompensator abgesehen, gibt es auch kaum fremdartige Technik.
In „The Terminator“ (1984) ist fremdartige Technik (aus der Zukunft) selbst das Böse.
Für das Publikum funktioniert der Film aber auch ohne jede Technikangst, denn dramaturgisch
ist der Roboter ein klassischer Horror-Gegner: unbezwingbar und ohne Moral.
In den 1950er Jahren spiegelten Filme recht klar die damaligen Ängste der Menschen wider. Der Film „Kampf der Welten“ (1953) fällt in einer Zeit der Angst vor einem plötzlichem, überwältigendem Angriff (wie in Pearl Harbor, aber auch bei nuklearer Bedrohung). Außerdem wird die technologische Überlegenheit des Feindes demonstriert, verbunden mit der Furcht vor dem zivilisatorischen Untergang (vgl. Folgen eines Atomkriegs). In der McCarthy-Ära gab es ein Klima der Angst. Viele Filme reflektierten diese Paranoia und brachten die Ängste auf die Leinwand.
Der Film „Invasion der Körperfresser“ (1956) zeigt das Thema der Fremdenfeindlichkeit, angeheizt von anti-kommunistischer Grundangst: Niemandem kann man mehr vertrauen. Deine Nachbarn, Freunde, Familie könnten heimlich ersetzt worden sein und nur noch äußerlich wie Menschen aussehen, innerlich aber willenlose Kopien sein. Das spiegelte perfekt die McCarthy-Ära wider: Angst vor kommunistischer Unterwanderung, Misstrauen gegenüber den eigenen Mitbürgern, und die Vorstellung, dass Menschen von außen umgedreht werden könnten, bei Verlust der Individualität.
Wie es in einem anderen Jahrzehnt eher friedlich zuging, nämlich in den bunten 1980ern, zeigt „E.T. - Der Außerirdische“ (1982). Spielbergs familienfreundliche Story über einen gestrandeten Alien, der einfach nur nach Hause (telefonieren) wollte, war von 1982 bis 1993 der erfolgreichste Film jener Zeit.
Ganz anders sind derzeit alien-lastige Animationsserien wie „Rick and Morty“ (seit 2013) und „Solar Opposites“ (seit 2020), in denen man überhaupt gar nichts ernst nehmen kann. Beide Serien sind stark von Sci-Fi geprägt, nutzen aber Außerirdische hauptsächlich für Comedy und gesellschaftliche Satire. Die Serie „Rick and Morty“ macht sich über klassische SciFi-Konzepte lustig und erschafft skurrile Parallelwelten am laufenden Band. „Solar Opposites“ dreht die klassische "Menschen treffen auf Aliens"-Handlung um: Hier müssen die Aliens mit den Menschen auf der Erde klarkommen, die ihnen höchst seltsam vorkommen.
Die Vorstellung, dass es überhaupt Außerirdische geben könnte, hatte sich in früheren Jahrhunderten nur langsam durchgesetzt. Denn die Religion lehrte die Menschen, dass die Erde von Gott geschaffen wurde. Selbstverständlich nahmen wir dabei an, dass unser Fleck das Zentrum von allem sei. Und dass wir das Ebenbild Gottes sind. Durch eine solche Weltanschauung ist es ausgeschlossen, das es weitere Welten gibt, und dass andere höhere Lebensformen ebenso eine Krone der Schöpfung sein könnten. Früher war nicht nur die Erde das Zentrum der Schöpfung, sondern der Mensch dachte sich diese Rolle zu und krönte sich in seinen religiösen Schriften selbst (theologische Deutungstradition).
Kopernikus stellte zwar die Sonne ins Zentrum unseres Planetensystems, aber er betrachtete die Sterne nur als Lichter an einer äußeren Sphäre. Erst Giordano Bruno kam auf die revolutionäre Idee, dass die Sterne selbst ferne Sonnen sein könnten. Am Ende des 16. Jahrhunderts postulierte er: Die Fixsterne sind Sonnen wie unsere Sonne, und um die Sonnen kreisen Planeten, und Planeten könnten bewohnt sein. Diese Idee setzte sich aber in der Allgemeinheit noch nicht durch. Erst im 19. Jahrhundert, als die Wissenschaft begann, Spektren zu analysieren, konnte man nachweisen, dass Sterne Sonnen sind.
1877 beobachtete Giovanni Schiaparelli vermeintliche "canali" (Kanäle) auf dem Mars. Daraus entwickelte Percival Lowell ab den 1890ern die Idee von künstlichen Kanälen von einer sterbenden Zivilisation auf Mars. Und der Roman „Krieg der Welten“ (1898 von H.G. Wells) mit marsianischen Invasoren verstärkte solche Vorstellungen.
Der erste Science-Fiction-Film mit Außerirdischen war „Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès aus dem Jahr 1902. Der französische Zauberkünstler und Filmpionier schuf diesen nur 13-minütigen Stummfilm. Darin baut eine Gruppe von Wissenschaftlern eine riesige Kanone und schießt sich in einer Raumkapsel auf den Mond. Dort treffen sie auf außerirdische Mondbewohner, die in Höhlen leben und sehr ungewöhnlich aussehen. Bei dem Zusammentreffen kommt es zu Konflikten, aber das wurde phantasievoll und unterhaltsam dargestellt. Es war also kein Horrorfilm, sondern eine phantasievolle Unterhaltung, die mit frühen Spezialeffekten experimentierte.
Science-Fiction hat auch die Idee zur Suche nach außerirdischem Leben popularisiert und vorbereitet. 1960 führte der Radioastronom Frank Drake in West Virginia den ersten Versuch durch, interstellare Radiosendungen zu empfangen. Im Zeitraum von vier Monaten wurde jedoch nichts entdeckt. Drake stellte eine Gleichung auf, zur Abschätzung der Anzahl der technischen, intelligenten Zivilisationen in unserer Galaxie, der Milchstraße.
In den 1970er widmete sich auch die NASA der Suche nach außerirdischen Signalen. 1977 wurde das sogenannte Wow!-Signal empfangen, 72 Sekunden lang. Das Problem: Es wurde nie wieder empfangen. Und das ist ein entscheidendes Kriterium, denn ein echtes Kommunikationssignal sollte sich wiederholen. Die NASA stellte nach jahrelanger Ergebnislosigkeit die Finanzierung der Suche ein.
1984 gründeten Pierson und Tarter das SETI Institute, um die Suche nach Leben, Intelligenz und unserem Platz im Kosmos voranzutreiben. Seitdem wurden zwar viele interessante Signale empfangen, aber bei keinem konnte bisher ein Muster bestätigt werden, das auf einen Ursprung von außerirdischem Leben hinweist.
Im heute beobachtbaren Teil des Universums schätzen Astronomen, dass es ungefähr 2 Billionen Galaxien gibt. Das wurde hochgerechnet basierend auf Beobachtungen z.B. durch das Hubble- und James-Webb-Teleskop. Im ganzen Universum könnte es - stark hypothetisch - Trilliarden Milliarden bewohnbarer Planeten geben. Komplexes oder intelligentes Leben ist nach heutigen Einschätzungen deutlich seltener möglich und bleibt bisher spekulativ, da wir nur ein Beispiel kennen: die Erde.